Nr. 64 - Zu viele Haufen
Herr Fritz: Dort drüben ist schon wieder einer.
Affolter: Eine Touristengruppe?
Herr Fritz: Ein Hund.
Affolter: Richtig, ich glaube es ist ein Jack Russell.
Herr Fritz: Der hat auf dem Bundesplatz nichts zu suchen.
Affolter: Die sieht man in unserem Land oft.
Herr Fritz: Es gibt zu viele.
Affolter: Jack Russell?
Herr Fritz: Nicht nur. Wie mein Bundesweibel sagt, gibt es in der Schweiz über eine halbe Million Hunde.
Affolter Ist das viel?
Herr Fritz: In den Sechzigern kamen die Pudel, dann tauchten Foxterriers auf, Pinscher, Labradore, nicht zu vergessen die Rottweiler.
Affolter: Und die Dackel.
Herr Fritz: Die waren schon immer da. Die dürfen natürlich bleiben.
Affolter: Sie meinen, Hunde, die schweizerisch bellen, sind willkommen.
Herr Fritz: Wir sind einfach zu viele. Wenn das so weiter geht, sind es in fünf Jahren eine Million.
Affolter: Zugegeben, das klingt nach einer ganzen Menge.
Herr Fritz: Und neuerdings werden von Frauen mit Bemutterungsdrang noch all die gestörten Strassenhunde aus Osteuropa ins Land gebracht.
Affolter: Tatsächlich scheint mir das eine vornehme Aufgabe fürs Staatssekretariat für Migration zu sein.
Herr Fritz: Wissen Sie, was eine halbe Million Hunde pro Tag total für Haufen hinterlassen? Mein Bundesweibel hat das einmal ausgerechnet.
Affolter: Hm.
Herr Fritz: Es sind 300 Tonnen, pro Tag!
Affolter: Allerdings dürfen Sie nicht vergessen, dass wir eine gehörige Portion Wertschöpfung den Hunden zu verdanken haben.
Herr Fritz: Das wäre mir neu.
Affolter: Kürzlich habe ich im Radio gehört, in der Schweiz würden pro Jahr rund 50’000 Tonnen Hundefutter verbraucht.
Herr Fritz: Mein Bundesweibel sagt, er vertraue Informationen, die aus dem Radio kämen, nur bedingt.
Affolter: Dann ist er wohl eher ein Verschwörungstheoretiker. Lügenpresse und so.
Herr Fritz: Das nicht. Ich glaube, ihn regen die Dialekte auf, die die Moderatoren sprechen.
Affolter: Dann soll er sich doch einfach an die Moderatorinnen halten.
Herr Fritz: Auch die würden neuerdings diese komischen Dialekte hinausposaunen.
Affolter: Wir sind eben ein kleinräumiges Land.
Herr Fritz: Er meint die aus dem Thurgau, dem Urnerland oder so. Warum können die nicht einfach Berndeutsch reden, fragt er.
Affolter: Wenn die Informationen mit den 50’000 Tonnen Hundefutter im Schweizer Radio von einem fröhlichen Moderator in Berndeutsch ausgestrahlt würden, würde er die Information glauben?
Herr Fritz: Selbstverständlich.
Affolter: Nur so zum sagen: Ihr Hundekollege, der mit einem Berner Polizisten den Eingang zum Bundeshaus bewacht…
Herr Fritz: Was ist mit dem?
Affolter: Das ist, wenn ich es richtig sehe, ein Schäfer, und zwar ein deutscher.
Herr Fritz: Das ist eine Sauerei. Wenn Sie vor dem Eingang stehen, dann werden Sie deutsch angebellt.
Affolter: Er wird doch nicht etwa Tach sagen.
Herr Fritz: Ey Mann, spinnst du, hau ab, zieh Leine, oder ich schmier dir eine. So tönt das heutzutage in unserer Hundewelt, und das auf dem Bundesplatz.
Affolter: Sie sollten sich beschweren.
Herr Fritz: Das hat der Verband der Schweizer Hunderassen selbstverständlich gemacht.
Affolter: Und?
Herr Fritz: Keine Chance, man hat herumgedruckst, da könne man nichts machen. EU und so.
Affolter: Sie meinen, wenn das so weitergeht…
Herr Fritz: Werden wir im schönen Schweizerland bald nur noch von deutschen Hunden angepöbelt.
Affolter: Komisch, das alles habe ich doch schon einmal gehört.
Herr Fritz: Wir Schweizer Hunde haben einfach zu wenig Platz.
Affolter: Apropos Platz, drüben beim Fédéral ist ein Tischchen frei geworden.
Herr Fritz: Prima, der nette Kellner aus Bosnien hat den Fressnapf mit kühlem Berner Wasser sicher schon bereitgestellt.
Affolter: Wenn wir schon gerade dabei sind: Wissen Sie, woher eigentlich die Berner Sennenhunde stammen?
Herr Fritz: Natürlich aus dem Emmental, Dürrbachgraben, Oberfrittenbach, diese Gegend.
Affolter: Nicht ganz.
Herr Fritz: So?
Affolter: Aus der Türkei.
Bern, 30. Juni 2026