AFFOLTERundHERRFRITZ
die Bundeshaussatire

Affolter und Sieber, zwei ältere Herren, haben sich während fünf Jahren regelmässig auf dem Bundesplatz getroffen. Als reklamierende Rentner und notorische Besserwisser haben sie das Treiben im und ums Bundeshaus kommentiert. Nun hat sich Sieber verabschiedet und Affolter musste einen neuen Gesprächskumpanen finden.

In der letzten Folge von AFFOLTERundSIEBER ist Affolter auf einen interessanten Bundeshausinsider gestossen. Herr Fritz, ein Berner Sennenhund älteren Datums, lebt bei einem Bundesweibel und erweist sich als Connaisseur des Treibens in der Bundesstadt.

Viel Vergnügen bei Affolter und Herr Fritz, der regelmässig erscheinenden Polit-Satire vom Bundesplatz

 

Nr. 65 - Von Tauben und anderen Möwen

Affolter: Herr Fritz, da ist eine Taube auf ihrem Rücken gelandet.

Herr Fritz: Das ist Emma.

Affolter: Sie kennen sie?

Herr Fritz: Der Dichter Morgenstern hat einmal geschrieben, die Tauben sähen alle aus, als ob sie Emma hiessen.

Affolter: Möwen.

Herr Fritz: Wie bitte?

Affolter: Morgenstern sprach von Möwen, nicht von Tauben.

Herr Fritz: Jetzt ist mir alles klar. Mein Bundesweibel kennt einen Werber, der für die Neutralitätsinitiative das Plakat entwerfen sollte.

Affolter: Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Herr Fritz: Der Werber hat vorgeschlagen, eine Hellebarde und wegen dem Morgenstern eine Friedensmöwe zu plakatieren.

Affolter: Sehr kühn.

Herr Fritz: Gemäss meinem Bundesweibel war der Milliardär aus Herrliberg entsetzt und nicht bereit, sein Geld aus dem Fenster zu schmeissen, wie er sich ausdrückte.

Affolter: Wer zahlt, befiehlt.

Herr Fritz: Und jetzt stehen eben die Plakate mit den Friedenstauben auf den ausgetrockneten Weiden herum.

Affolter: Der hat dem armen Werber quasi die Hühner eingetan.

Herr Fritz: Ich habe meiner Emma aufgetragen, die Tiere zusammenzurufen.

Affolter: Eine Brieftaube sozusagen.

Herr Fritz: So kann es nicht weitergehen. Es ist wieder einmal Zeit, dass wir eine Konferenz unter den Tieren abhalten.

Affolter: Viel weiter als bei Erich Kästners Konferenz der Tiere, nämlich Krieg, Verwüstung und Elend, sind wir tatsächlich nicht.

Herr Fritz: Ich habe mir gedacht, wir Tiere sollten uns wieder einmal im Dählhölzli treffen.

Affolter: Und welches ist Ihr Anliegen? Kriege und Katastrophen werden Sie im Dählhölzli wohl nicht verhindern können.

Herr Fritz: Es geht mir um die Neutralität der Tiere.

Affolter: Irgendwie kommt mir das bekannt vor.

Herr Fritz: Jawohl. Wir Tiere müssen immer wieder als Symbole herhalten.

Affolter: Als Symbole?

Herr Fritz: Dabei geht es den Menschen gar nicht um uns Tiere. Man will mit uns nur das eigene Süppchen kochen.

Affolter: Da ist etwas dran.

Herr Fritz: Nehmen wir diese Plakate mit der Friedenstaube.

Affolter: Je nun, gegen Frieden kann niemand sein, egal, ob man mit Tauben oder Möwen dafür wirbt.

Herr Fritz: Das muss jetzt einmal aufhören. Wir lassen uns doch nicht für jede Idee, und sei sie noch so unausgegoren, einspannen.

Affolter: Ist Ihre Spezies da nicht etwas überempfindlich?

Herr Fritz: Tauben sind gar nicht friedlich, eher zänkisch.

Affolter: Und was ist mit dem Dachs, der am Zürisee den Rasen von Doktor Blocher umgräbt?

Herr Fritz: Der hat einfach Lust auf Engerlinge. Und jetzt wird er plötzlich als Spitzenkraft der Subversion gefeiert.

Affolter: Mir wäre es recht, wenn unsere Finanzministerin einen Dackel in die dunklen Löcher des Bundeshauses schicken würde, um die Lobbyisten der UBS aufzuscheuchen.

Herr Fritz: Nichts da, wir Tiere sind immerwährend neutral. Was gehen uns die Geschäfte der Menschen an.

Affolter: Aber auf den Fressnapf oder das voll aufgefüllte Vogelhäuschen möchtet ihr nicht verzichten, oder?

Herr Fritz: Jetzt wo Sie es sagen: Ich habe Lust auf ein Tellerchen Le Parfait und ein gebranntes Wässerchen dazu.

Affolter: Für mich eher eine saisonale Delikatesse.

Herr Fritz: Trüffel?

Affolter: Nein, Engerlinge.


Bern, 18. September 2026

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